„Fachkräftemangel wird sich durch Corona weiter verschärfen“

09.02.2021

MdL Sylvia Stierstorfer tauscht sich virtuell mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim Dr. Jürgen Helmes aus

„Der Fachkräftemangel bleibt auch nach der Corona-Krise eine der größten Herausforderungen für unsere regionale Wirtschaft“, zeigte sich der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK)  Dr. Jürgen Helmes sicher. Die Ausbildungssituation gestaltet sich sowohl für Betriebe, als auch für Auszubildende in der momentanen Situation mehr als schwierig. Aufgrund von Kurzarbeit bzw. Betriebsschließungen fallen Praktikumsplätze weg und viele Auszubildende können sich nicht auf ihre praktischen Abschlussprüfungen vorbereiten. „Angehende Köche, Floristen oder Hotelfachkräfte brauchen Praxis, damit sie die Prüfungen bestehen und ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können“, so Helmes. Aber auch für die Schülerinnen und Schüler, die im Sommer ihren Schulabschluss machen, sieht es nicht besser aus. Kontakte zu Firmen durch Berufsmessen fehlen, Schnuppertage an Hochschulen sind derzeit nicht möglich und Praktika können nicht durchgeführt werden, so das ernüchternde Fazit. Die Unsicherheit, wie es mit der Corona-Krise weitergeht führt dazu, dass vielen jungen Menschen schlichtweg die Motivation fehlt, sich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. Der persönliche Kontakt zu Lehrern oder Vertrauenspersonen in Schulen, die sie motivieren und unterstützen, fehlt. „Im Herbst werden rund 14 Prozent weniger junge Menschen eine Berufsausbildung beginnen“, prognostiziert Helmes. Er wünscht sich deshalb, die Abschlussklassen schnellstmöglich wieder zurück in den Präsenzbetrieb an die Schulen zu holen und digitale Angebote für Jugendliche, die sich beruflich orientieren wollen, auszuweiten. Mit Hilfe von Prüfungscamps könnten sich angehende Köche beispielsweise auf ihre praktische Prüfung vorbereiten, während Gastronomiebetriebe geschlossen haben, so seine Idee. Damit stößt der IHK-Geschäftsführer bei Stierstorfer, die stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie in der CSU-Landtagsfraktion ist, auf offene Ohren. „Jungen Menschen wird durch die aktuelle Pandemie der Weg ins Berufsleben enorm erschwert. Andererseits führt die Corona-Krise uns den dringenden Bedarf an Fachkräften deutlich vor Augen. Das bereitet mir große Sorge“, so die Abgeordnete, die das Thema in ihrem Arbeitskreis ansprechen und diskutieren will.

 

Die Pandemie hat auch den Pendlerverkehr aus Tschechien stark getroffen. "Wir haben uns zu einem Wirtschaftsraum entwickelt, das gilt es nicht zu gefährden", warnt Helmes. Doch die bayerische Grenzregion zu Tschechien gilt als ein Brennpunkt der Corona-Pandemie. In Bayern müssen Pendler deshalb alle 48 Stunden ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen. Für Grenzgänger bedeutet das einen enormen Aufwand, bis hin zu einer Stigmatisierung. Positiv sei, dass von allen Seiten mit Hochdruck an der Lage gearbeitet werde und an vielen Stellen Tests bereits ausgeweitet wurden. „Die Mutationen machen uns natürlich vorsichtiger", fügte Stierstorfer hinzu. Dennoch müsse das berufsbedingte Pendeln weiterhin möglich bleiben und so einfach wie möglich gestaltet werden, sagte sie.

 

Ein weiteres Thema, das viele Betriebe umtreibt, sind die Überbrückungshilfen des Bundes. Seit geraumer Zeit informiert die IHK mit einer eigens eingerichteten Hotline über die verschiedenen Hilfsprogramme. „Ein Problem ist, dass die Überbrückungshilfe III so schleppend anläuft. Eine Antragsstellung ist noch nicht möglich. Das führt zu großer Verunsicherung, bis hin zu echten Existenzängsten“, so Daniela Sehling, die Koordinatorin der Hotline bei der IHK. Hier ist der Bund am Zug, die Antragsformulare so schnell wie möglich bereit zu stellen. Nach Ansicht von Dr. Jürgen Helmes sei es zudem wichtig, dem Einzelhandel Planungssicherheit zu geben und bei möglichen Öffnungen ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln. Geschäfte in den Innenstädten machen laut Helmes kaum Umsatz, wenn weniger Menschen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen und die Restaurants und Cafés geschlossen blieben. Stierstorfer machte an dieser Stelle klar, dass der Freistaat den ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes mit 255 Millionen Euro ergänzt habe und so 90 Prozent der pandemiebedingten Schäden ausgleiche. „Außerdem unterstützen wir die Kommunen bei der Bestellung von Verstärkerbussen im Schülerverkehr über unsere interne Vermittlungsplattform und übernehmen 100 Prozent der Kosten. Durch die Verstärkerbusse soll im Schülerverkehr der Infektionsschutz insbesondere dort gewährleistet werden, wo Mindestabstände nicht eingehalten werden können“, sagte die Politikerin, die sich auch weiterhin regelmäßig mit Helmes über aktuelle Themen austauschen will.


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